Who is Valentina?

Zeichnung von Valentina

Mit der Reihe „Portraits of Americans“ möchte ich Einblicke in das Privatleben von Amerikaner geben. Alle hier porträtierten Amerikaner sind frei erfunden. Die Kurzbiographien sind jedoch inspiriert von den Menschen, die ich in Amerika kennenlerne.

„An welcher Stelle habt ihr über die Grenze gemacht?“, wurde Valentina kürzlich gefragt und sie hat verwundert den Kopf geschüttelt. Sie sei noch nie in Mexiko gewesen. Valentina wurde in Columbus, Georgia, geboren und geht dort in die High-School. Ihre Eltern kamen Anfang der 1990er Jahre in die USA, legal. Und trotzdem, ständig wird Valentina in die Immigrantenschublade gesteckt und sie wird von den anderen so angesehen, als sei sie eine kürzlich illegal Eingewanderte, die es sich nun in den USA gutgehen lasse.

Dabei geht es Valentinas Familie alles andere als gut, nicht ohne Grund waren ihre Eltern seit ihrer Einwanderung in die USA nicht wieder in Mexiko gewesen. Sie arbeiten hart, um Valentina und ihre zwei kleinen Brüdern ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen.

Kürzlich wurde Valentina in eine Diskussion verwickelt. Ihr Gegenüber, ein Bekannter ihrer Freundin, behauptete felsenfest, dass mexikanische Einwanderer Gewalt, Drogen und Elend in die USA brächten. Und zu allem Überfluss seien die Gefängnisse inzwischen von Mexikanern überfüllt. Noch bevor Valentina etwas richtig stellen konnte, lobte ihr Gegenüber Donald Trumps Vorstoß eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu errichten. Valentina hat besser geschwiegen, denn ihre Abstammung macht sie nicht zu einem respektierten Gegenüber. Als sie kürzlich deutlich Partei für die einwandernden Mexikaner ergriffen hat, da hat man ihr vorgeworfen, sie sei doch gar nicht neutral genug, um das Problem sachlich beurteilen zu können.

Valentina hat das sehr geschmerzt, denn sie fühlt sich wie eine Amerikanerin und nicht wie eine Mexikanerin. Aber was soll sie schon machen? Sie konzentriert sich lieber auf die Schule, um ihre Eltern glücklich zu machen, die alles investieren, damit es ihr eines Tages besser geht.