Who is Margaret?

Zeichnung von Margaret

Mit der Reihe „Portraits of Americans“ möchte ich Einblicke in das Privatleben von Amerikaner geben. Alle hier porträtierten Amerikaner sind frei erfunden. Die Kurzbiographien sind jedoch inspiriert von den Menschen, die ich in Amerika kennenlerne.

Letzen Mittwoch hat Margaret mit dem Seniorenclub Bingo gespielt. Eigentlich mag sie Bingo nicht, aber das Spiel gibt ihr die Gelegenheit, sich mit anderen zu treffen und Abwechslung in ihren Alltag zu bringen. Margaret ist 93 Jahre alt und fährt immer noch mit dem Auto zum Bingo, Einkaufen, in die Kirche und zu Freunden und der Familie. Dafür faltet sie ihren Rollator und packt ihn auf die Rücksitze. Margaret dankt Gott täglich für ihre Mobilität, denn ohne Auto säße sie in ihrem Haus fest.

Margaret hat Vorfahren aus Ungarn und wenn sie Besuch hat, dann zeigt sie Bilder von ihrem Mann und ihren Kindern. Sie schwärmt von der Tapferkeit ihres Mannes, der im Vietnamkrieg in der Navy gedient hat. Sie ist stolz auf ihre Tochter, die einen doppelten Masterabschluss hat, und ihre Urenkelin, die schon zwei Kinder hat. Margret ist fast immer glücklich, denn sie weiß in was für einer guten Zeit sie leben darf. Sie hat die Great Depression und mehrere Kriege erlebt. Ihre Kindheit war ärmlich, aber glücklich. Damals ist sie mit ihren Brüdern und Schwestern durch die Wälder gestreift ist. Bis heute liebt sie die Natur und kümmert sich liebevoll um ihren Garten, auch wenn das viel beschwerlicher ist als noch vor einigen Jahren.

In Margrets Garten gibt es viele Tiere und sie streut auch gerne Futter aus, damit sie die Tiere von ihrer Veranda aus beobachten kann. So kam es, dass sie kürzlich nachts hochschreckte, weil sie jemanden an der Tür kratzen hörte. Sie wälzte sich mühsam aus dem Bett und kramte nach ihrer Waffe in der Kommode neben dem Bett. Vorsichtig und für sie selbst ungewohnt wendig schlich sie an die Tür, um den nächtlichen Eindringling zu verjagen. Als sie schließlich zur Verandatür kam, sah sie einen Waschbär, der mit Getöse auf der Veranda nach etwas Essbarem wühlte. Erleichtert ließ sie ihren Revolver sinken und kroch ins Bett zurück.