The Word on Sunday

Foto von Kelchen

Was passiert, wenn gelebter christlicher Glaube auf Viren trifft? Das ist eine verwirrende Frage, ich gebe es zu. Also, noch einmal von vorne. Was passiert, wenn man bei sonntäglichen Gottesdienst seine Hand den Mitchristen zum Friedensgruß reicht oder mit ihnen denselben Kelch teilt, wenn doch gerade eine Grippewelle das Land im Griff hat? Beim Friedensgruß kann man das obligatorische Küsschen auf die Wangen oder den Handschlag verweigern und dafür mit Zeige- und Mittelfinger das Peace-Symbol formen. Dann winkt und nickt man sich freundlich zu und wünscht sie den Frieden Gottes.

In den Gemeinden, wo eine Abendmahlfeier oder Eucharistiefeier Bestandteil des Gottesdienstes ist, wird es schon komplizierter, denn hier ist es üblich, dass die Gläubigen aus einem Kelch trinken. Die Keimalarmglocken schrillen!

Es entsteht ein ernster Konflikt, den man nicht belächeln sollte, wenn man schon einmal erlebt hat, wie panisch der durchschnittliche Amerikaner auf alles reagiert, das potentiell Viren, Keime und Bakterien verbreiten könnte. Der katholische Bischof des hiesigen Bistums hat kurzerhand die Kelchkommunion für einige Zeit ausgesetzt, schließlich will sich die Kirche nicht zum Mitverursacher von Krankheit und Leid machen. Eine Ausnahme gibt es sehr wohl: Glutenallergiker sind davon ausgenommen. Sie trinken allergiebedingt besser einen Schluck aus einem möglicherweise keimverseuchten Kelch, statt die aus Weizenmehl gebackenen Hostie zu empfangen.

Auch wenn ich die panischen Blicke im Anblick niesender Menschen kenne, schon Mütter mit Einweghandschuhe ihre Babys habe wickeln sehen und weiß, dass die obligatorische Flasche Desinfektionsmittel in fast jeder Handtasche steckt, ich konnte mir zumindest ein winziges Lächeln nicht verkneifen.

Ich wünsche meinen lieben Leserinnen und Lesern gute Gesundheit und kommen Sie gut durch die „Flu Season“!