Pledge of Allegiance

Foto vom Pledge of Allegiance

In der Regel beginnen die US-amerikanischen Schulkinder ihren Schultag hier mit dem „Pledge of Allegiance“, zu Deutsch Treueschwur. Bevor sie die einprägsame Formel aufsagen, erheben sie sich, wenden sie sich der Fahne zu, entblößen ihre Köpfe, legen die rechte Hand aufs Herz und sprechen im Chor:

„I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.”

„Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.“

Fahnenappell oder Treueschwüre auf die Fahne der Bundesrepublik Deutschland sind dem Durchschnittsdeutschen höchst unbekannt und die Vorstellung daran mehr als suspekt. Ein Schwur auf die Fahne erinnert an die ehemalige DDR, an die Zeit des Nationalsozialismus oder andere Tiefpunkte der deutschen Geschichte. Und wie will man bitte einen Fahneneid leisten, wenn die schwarz-rot-gold gestreifte Flagge mehr durch Abwesenheit als durch Anwesenheit glänzt.

Den Deutschen mangelt es an expressivem Patriotismus und wo keine Fahne, da auch kein Fahneneid. In den USA gehört die Fahne fest zum Bestandteil nationaler Identität (wie an anderer Stelle beschrieben) und ein Treueschwur ist nichts als eine logische Konsequenz. Gezwungen wird niemand zum Mitsprechen des Eides. Auch ist niemand verpflichtet, die Hand auf die linke Brust zu legen, wenn gemeinsam der Schwur gesprochen wird oder die Nationalhymne gesungen wird.

Mit der Zeit finde auch ich Gefallen am Treueschwur, auch wenn mir Schwüre eigentlich suspekt sind. Aber der Pledge of Allegiance erinnert den Sprechenden und Hörenden an das, was die USA auszeichnet, eine unteilbare, freie und gerechte Nation unter der Obhut Gottes (Anmerkung: Gerade der Einschub „one Nation under God“ ist jedoch höchst umstritten).