Las Vegas

Foto von Bill of Rights

Die Fahnen hängen auf Halbmast und eine Nation trauert um unzählige Tote, die einem Amokläufer zum Opfer gefallen sind. Unvorstellbar, wie wütend und hasserfüllt (oder krank) der Mann gewesen sein muss, der die feiernden Menschen in den Tod riss. Die Nation reagiert geschockt und solidarisch. Gleichzeitig beginnt (wieder einmal) eine Debatte darüber, wie man sich vor Menschen schützen soll, die aus welchem Grund auch immer zu den Waffen greifen. Die Kinder lernen in „terror attack drills“, wie sie sich zu verhalten haben, wenn ein Amokläufer in ihre Schule eindringt. Allein die Tatsache, dass schon die Kleinen lernen müssen, wie im Falle von Waffengewalt zu handeln ist, lässt doch aufhorchen.

Donald Trump sollte schnellstmöglich eine Reformierung des Waffengesetzes einleiten, lautet die Forderung. Da nicken wir Deutschen eifrig, denn die Vorstellung von frei verfügbaren Waffen ist für uns alles andere als vertraut. Selbtverständlich ist das alles nicht so einfach. Wirklich jeder, den wir hier kennen, besitzt Waffen. In manchen Haushalten liegen bis zu 20 Waffen in Schränken, auf Schränken und unter Schränken. Absurd – ich weiß. Aber Waffen zu besitzen hat hier Tradition. Eine Waffe besitzen bedeutet ein elementares Freiheitsrecht ausüben, denn es heißt schon im 2. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika: „Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“

Na gut, könnte man denken, das Gesetz stammt aus dem Jahr 1791. Im 21. Jahrhundert ist doch endgültig die Zeit gekommen für Umdenken und Reform. Und wieder muss man aus amerikanischer Sicht sagen: „Nein.“ Waffen tragen heißt Freiheit sichern und Freiheit ist das höchste Gut, das Amerikaner haben. Es ist ein heikles Thema und Amerikaner darauf anzusprechen ist schwer, denn irgendwie wissen sie ja auch selbst, dass der Besitz von Waffen, so logisch die Begründung mit der Freiheit auch ist, gefährlich, in den meisten Fällen unnötig und zudem kostenspielig ist.

Für uns Deutsche ist der Waffenbesitz ebenso erstaunlich wie für den Amerikaner eine Autbahn ohne Tempolimit. Und damit wären wir wieder beim Thema: Um Menschen zu töten, braucht man nicht zwangsläufig Waffen, auch Autos und Lastwagen können, wie wir Europäer in jüngster Zeit immer wieder schmerzlich erfahren haben, Unglück und Tod bringen.

Foto von Fahne auf Halbmast