Kids rule!

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Vor einigen Jahren las ich das Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ von Pamela Druckerman. Darin beschreibt die amerikanische Autorin von ihren Erfahrungen als Expatriate in Paris. Insbesondere die Kindererziehung französischer Eltern hat es ihr angetan, denn sie ist so ganz anders, in ihren Augen, besser, als die amerikanische. Als ich das Buch 2013 las, wusste ich noch nicht, dass ich inzwischen seit über einem Jahr selbst die Erfahrung machen darf, Erziehungsmethoden zu vergleichen.

Und tatsächlich, es gibt erstaunliche Differenzen zwischen amerikanischer und deutscher und auch französischer Erziehungsmethoden. Zu diesen Ländern kann ich persönlich Stellung beziehen, denn in diesen drei konnte ich bereits mit Kindern leben. Es ist nicht Ansinnen dieses Eintrags die Erziehungsmethoden von Deutschen, Amerikanern und Franzosen zu vergleichen, dafür empfehle ich das Buch von Pamela Druckerman. Doch kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Typisch amerikanisch ist: „Kids rule!“

An dieser Stelle möchte ich das anhand eines Beispiels beleuchten, dem Essverhalten. Mehrfach konnte ich inzwischen Zeuge werden, dass amerikanische Kinder (ich möchte auf keinen Fall verallgemeinern) sehr häufig ihren Teller nicht leeren. Ganz egal, was auf dem Speiseplan steht. Sogar das Lieblingsessen wird nicht vollständig verzehrt, weil das Kind zum Beispiel durch irgendetwas abgelenkt wird. Dann ermahnen die Eltern oder auch Erzieher nicht etwa zum Aufessen, sondern lassen das Kind gewähren. (Die Reste wandern dann in der Regel in den Müll.) So geht das an heimischen Essenstischen, im Restaurant und in den Schulkantinen. Nicht die Erwachsenen entscheiden für die Kinder, dass Essen wichtig und lebensnotwendig ist, eine Mahlzeit zu beenden auch einen kulturellen Wert hat und Respekt gegenüber dem zeigt, der es zubereitet hat. Vielmehr zeigen die Kinder wann und was sie nicht mehr wollen. Der allgemein bekannten Sprunghaftigkeit von Kindern wird nachgegeben und wenn die Kinder dann den Tisch verlassen (ob hungrig oder satt), atmen die Erwachsenen aufgrund der schlagartig eintretenden Ruhe innerlich auf. Tischmanieren hin oder her.