Anchor Baby

Foto von Verfassungstext

In den USA sieht man sie nicht gerne, die Touristen und illegalen Einwanderer, die nur zu einem Zweck hier einreisen, nämlich zur Geburt ihres Nachwuchses. Anchor Babys (Anker Babys) nennt man diese Kinder abwertend, die mit einem amerikanischen Pass ausgestattet dazu dienen sollen, ihrer Familie irgendwann einmal die Einreise in die USA zu erleichtern. Der 14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der im Jahr 1968 in Kraft getreten ist, legt unter anderem fest: „All persons born or naturalized in the United States, and subject to the jurisdiction there of, are citizens of the United States and of the State wherein they reside.“ (Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz haben.)

Dieser Artikel ermöglicht es, dass mit einem US-Amerikaner in der Familie sich Türen, die vorher fest verschlossene waren, öffnen. Der Nachwuchs darf nicht nur Präsident oder Präsidentin der USA werden, sondern genießt alle Rechte und Privilegien, wie ein amerikanisches Baby der zehnten Generation. Diese Regelung führt natürlich zu Missbrauch, der so geschickt und geschäftstüchtig betrieben wird, dass er den Amerikanern ein Dorn im Auge ist. Es kommen nicht nur Mexikanerinnen über die Landesgrenze, um hier ihre Kinder zu gebären, sondern auch reihenweise Chinesinnen oder Russinen, die legal als Touristen einwandern, ein Kind bekommen, Pässe beantragen und dann einen US-amerikanischen Bürger in der Familie haben. Birth tourism nennt man diese Art des Tourismus, der nur ein einziges Ziel verfolgt, nämlich die Staatsbürgerschaft des Ziellandes für seinen Nachwuchs zu bekommen. Dazu muss man nicht unbedingt aufs Festland fliegen, die Insel Saipan im Pazifischen Ozean, US-amerikanisches Staatsgebiet, ist eine beliebte Anlaufstelle für schwangere Touristinnen aus Fernost.

Das Center for Immigration Studies geht von bis zu 36.000 Kindern aus, die in den USA von Frauen ohne amerikanische Staatsbürgerschaft jährlich zur Welt gebracht werden. Das Geschäft mit dem Birth tourism boomt, so sind seit dem Jahr 2000 die Anzahl der Fälle auf über 200% angestiegen. Vor ein paar Tagen veröffentlichten die NBC News dazu einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Birth tourism brings Russian baby boom to Miami“.

Auch ich habe einen Amerikaner in der Familie, der, geboren in den USA, Staatsbürger dieses Landes ist. Was ihm dies tatsächlich für Vorteile (oder auch Nachteile) bringt, darüber werde ich im nächsten Beitrag berichten.